Zurück in Syndey

Nach Papua Neuginea landeten wir wieder an der Ostküste. Gerne wären wir direkt nach Perth geflogen, aber da gibt es keine Direktflüge. Da wir in Sydney ja Leute kennen, war das eine gute Ausgangslage für uns. Wir verbrachten noch einmal ein paar Tage vor Ort. Dieses Mal durften wir die Stadt einem unserer neugewonnenen Freunden zeigen. Per Zufall war Janik, den wir in Fidschi kennenlernten, genau auch in dieser Zeit in der Stadt. So stand noch einmal Bondi Beach und ein Zoo Besuch auf dem Plan.

Fahrt nach Melbourne

Und dann ging es am Montagmorgen los. Wir holten unser erstes gratis Mietauto ab. Richtig glesen, für dieses und auch das nächste mussten wir keine Miete bezahlen. Die Firma brauchte den Campervan in Melbourne und anstatt ihn selber zu fahren, übernahmen wir diesen Dienst. Wir wollten eigentlich der schönen Küste entlang fahren und die Aussicht geniessen. Leider war der eine Abschnitt aufgrund von Buschfeuern gesperrt. Da dieser nicht umfahrbar war, mussten wir die Strecke im Innern des Landes fahren. Viel zu erzählen gibt es darüber nicht. Ich glaube, bei diesem Abschnitt handelt es sich nicht um den sehenswertesten Teil von Australien.

Melbourne dagegen hat uns wunderbar gefallen, wir hatten einen Tag um uns umzusehen. Die Strassen sind mit Graffitis geschmückt, überall gibt es niedliche Kaffees und die Strände sind nicht weit. Wir freuen uns bereits, wenn wir bei unserem richtigen Roadtrip wieder dorthin kommen.

Während unserer „Free Walking Tours“ (Leute, solche Touren sind genial! Schaut mal nach, ob es das auch in eurer Stadt gibt!) sahen wir in einer Baumhöhle ein pelziges Ding. Es sei ein gefährlicher „Drop Bear“ (frei übersetzt Fallbär), der sich von Bäumen stürzt, Menschen attackiert und ihnen die Augen auskratzt. Der einzige Schutz gegen diese Tiere seien kleine Äste oder Vegemite hinter den Ohren. Die Gruppe schaute sich ein bisschen verwirrt an, doch niemanden packte die grosse Angst. Astrid unser Guide klärte uns lachend auf. In der Zeit des Krieges kamen viele Soldaten aus anderen Ländern hierher. Die Australier machten sich einen Spass daraus, diese mit solch Schauermärchen zu erschrecken. So gibt es auch Geschichten über Schlangen, die sich wie ein Rad drehen. Beim gesehenen Fellknäuel handelte es sich übrigens um etwas ganz anderes, nämlich um ein Oppossum.

Während der Stadtführung kamen wir auch beim Gefängnis vorbei. Der jüngste je inhaftierte Gefangener war gerade mal vierjährig und seine Straftat war es „unartig zu sein“. Es war nicht unüblich während dem Goldrush, dass Familienväter ins Outback gingen und ihre Frauen mit den Kindern zurückliessen. Wenn nun die Mama starb, waren die Kinder obdachlos. Die Stadt hatte die glorreiche Idee, jene Kinder ins Gefängnis zu stecken. Da hätten sie genug zu essen und jede Menge Leute, die auf sie Acht geben. Also war das Gefägnis zeitgleich auch ein Waisenhaus. Wie clever ist das den?! 😛

Mit einem Schrecken davongekommen

lucky_rentals

Ein bisschen früher als abgemacht, standen wir dann auf der Matte der nächsten Autovermietung. Wir hatten vollstes Vertrauen, den Juicy Cars war uns ein Begriff. Es stellte sich aber heraus, dass unser Auto nur von ihnen an uns abgegeben wird. Der eigentliche Vermieter „Lucky Rentals“ hat keinen eigenen Ableger vor Ort. Wir wurden gebeten, noch ein Weilchen zu warten. Sie würden die mechanischen Checks besonders gründlich durchführen, da wir mit diesem Auto über den Eyre Highway durchs grosse Nichts fahren müssen. Das ernste Gesicht der Frau, liess mich das erste Mal stutzig werden. Ich begann zu googeln. Für wen machen wir da genau einen Transfer? Die Bewertung von der Vermietungsfirma liessen mich erschaudern. Daniel und ich waren uns einig, wir machen diesen Roadtrip nur mit einem zuverlässigen Auto und werden dieses Mietauto genauer unter die Lupe nehmen. Als wir dann zum Auto gelassen wurde, waren wir zuerst beruhigt. Aussen scheint es gut erhalten zu sein. Der Blick ins Auto hingegen war weniger überzeugend. Es hatte über 460’000 Kilometer auf der Anzeige, der Ersatzzündschlüssen war abgebrochen und der eigentliche hatte auch schon tiefe Kerben, die Sitze waren zerissen und den Tisch erkannten wir erst gar nicht als solchen. Das Dachzelt war noch viel schlimmer, es stank und hatte viele Löcher. Die Türen klemmten und die Fenster liessen sich nicht ganz schliessen. Keine Ahnung warum wir überhaupt in dieses Auto gestiegen sind, doch wir fuhren los. Bevor wir dazu kamen, Proviant für die lange Fahrt einzukaufen, hatte Yasmin wie wild gegoogelt. Was für Möglichkeiten hatten wir? Gott meinte es gut mit uns, wir fanden eine andere Firma, die uns ein Transferauto für den nächsten Tag zur Verfügung stellte. Unser Schrottauto brachten umgehend zurück und stornierten die Reservierung. Draussen machten wir dann ernsthaft einen Freudetanz! Wir sind das GRAUENHAFTE Auto schon wieder los!

Wir durchfahren das grosse Nichts

So starteten wir einen Tag ins grosse Outback-Abenteuer, dafür aber mit einem wahnsinnig tollem Wohnmobil. Schaut euch mal unsere luxuriöse Wohnung auf vier Rädern an! Wir können nicht beschreiben, wie entzückt wir waren! Das nennt man mal ein Upgrade!

Wir fuhren in Richtung Port Augusta los. Dort traffen wir das erste Mal auf eine Strassentafel, die nach Perth wies. So folgten wir diesem 2400 Kilometer langen Weg und fuhren die nächsten fünf Tage durchs Outback. Wir hatten einen engen Zeitplan. Entlang der Strasse, gab es nur wenig Grund für Sightseeing und an Umwege über Nationalparks war nicht zu denken. Wir standen am Morgen auf, wechselten uns beim Fahren ab, machten Frühstücks- und Mittagspause und abends suchten wir uns einen gemütlichen Camplingplatz. Die maximale Temperatur, die wir erlebt hatten, war 53° C! Ehrlich gesagt, hielten wir nur schnell unsere Köpfe aus dem Fenster, um diese Hitze zu spüren, blieben dann aber schön im klimatisierten Auto drin. Auf dem Campingplatz angekommen war es dann schon wenige Grade kühler, trotzdem gingen wir als erstes ins nahegelegene Schwimmmbad. Es war so heiss, wir beeilten uns so richtig endlich ins kühle Nass zu kommen. Vor Ort merkten wir dann, dass alle Aussies mit langen Ärmeln ins Wasser gingen. Nur ich stand mit Bikini da. Oups, Sonnenschutz muss gelernt sein!

An einem Tag durchfuhren wir drei verschiedene Zeitzonen. Die verschiedene Staaten von Australien haben ihre eigene Zeitzone und wenn man in Westaustralien ankommt, gibt es zuerst einmal eine inoffizielle Grenzzone. Wir nutzen die geschenkte Zeit und legten extra viele Kilometer zurück. Was schätzt du, wie viele waren es? Ein Tipp, es ist weniger als unser längster Fahrtag in Europa war.

Das ermöglichte uns aber, den letzten Abschnitt ein wenig ruhiger angehen zu lassen. In Kalgoorlie hatten wir dann sogar Zeit, die zweitgrösste Miene des Landes anzuschauen. Beim Aussichtspunkt vom Superpit bewunderten wir die grossen Maschienen bei der Arbeit. Das Loch im Boden ist so riesig, dass die Mienenfahrzeuge eigentlich wie Spielzeugautos wirkten, aber beim Rumklettern auf genau jenen, zeigte sich ihre wahre Grösse! Pro Ladung tragen sie 220 bis 250 Tonnen Geröll aus dem Loch. Nur jedes sechste Fahrzeug hat Erz dabei, woraus etwa ein Golfball grosses Goldstück gewonnen werden kann. Ist das nicht irgendwie verrückt? Beim Museum schürften wir dann selber nach Gold. Wir hatten Glück und fanden tatsächlich winzige Goldklümpchen. Wer weiss, wie fest der Goldpreis noch steigen muss, damit wir damit reich werden? Bevor wir weiterdüsten, gab es eine Goldgiess-Show. Wobei das Giessen an sich nebensächlich wurde. Die erzählten Geschichten waren viel aufregender! Wusstest du das die Strassen von Kalgoorlie tatsächlich aus Gold waren? Natürlich nicht bewusst, aber in alten Tagen, suchte man in den Mienen richtige Goldstücke. Die Erdreste wurden dann verwendet, um die Strassen zu bauen. Bis eines Tages ein Amerikaner darauf aufmerksam machte, dass im Gestein der Strassen ebenfalls Gold gelagert ist. Die Strassenbelege wurde für teures Geld verkauft und aufgerissen. Mittlerweile ist das lange her und die Strassen sind nicht mehr goldig. Dafür immer noch gigantisch breit für so ein kleines Dörfchen. Auch dazu gibt es eine Geschichte. Früher waren die Karren mit sechs aneinandergereihten Kamelen bespannt, um das Gold nach Perth zu transportieren. Kamele sind ideale Krafttiere für einen so trockenen und heissen Ort wie das australische Outback, können dagegen aber nicht rückwärts laufen. Damit man trotzdem wenden konnnte, mussten sie die Strassen breiter bauen als üblich. Jetzt wissen wir auch, woher die wildlebenden Kamele beim Nullarbor kommen. Das sind wohl nachfahren von ausgebüxten Mienenkamelen! Die Mienenbetreiber in Kalgoorlie haben aber aus dieser „Strassen aus Gold“ Geschichte wenig gelernt. Sie haben zwar das Verfahren geändert und gewinnen mittlerweile Gold aus Erz. Auch diese Verfahrensweise bringt nutzloses weisses Geröll mit sich. Sie lagerten das jahrelang einfach an Strassenrändern. Bis mal einer auf die Idee kam, mit einem Metalldetektor auf die Suche zu gehen und tatsächlich fündig wurde. Auch hier kaufte die Mienenbetreiber alle Abfallprodukte von den Landbesitzern zurück und machte diese über Nacht zu reichen Leuten.

Danach trennten uns nur noch 600 Kilometer von unserem Ziel, die wir locker flockig zurücklegten. Wenn wir noch nicht weitergereist sind, entspannen wir noch heute in Perth von diesem Abenteuer.

4 Replies to “Einmal quer durch Australien in nur einer Woche”

  1. Wieder en Blog mit viel lehrriche Infos und sehr schöne Bilder…
    Puuuuuh 53 Grad💥do hät i nur min chline Zäche useghebt.
    Wünsche eu no viel vergnüege im schöne heisse Australie

    1. Hallo liebi Simi <3
      Danke schriibsch du üs do! Es isch eiifach wiie ä gratis Sauna nu gförhlicher für d'Huut! s'Dümmscht wo mir gmacht hend, isch dä Motor abstelle. Dä het gad bitzeli überhitzt und mir hend nomol 5 Minute müesse warte, bis er sich astelle loh het. Welcome to Australia!

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