In der letzten Woche fuhren wir beinahe täglich vier Stunden Auto. Das klingt nach viel und als ob wir den ganzen Tag nichts anderes machen, als von einem Ort zum nächsten zu hechten. So fühlt es sich aber nicht an. Die vorbeifahrende Landschaft saugen wir in uns auf und machen dort wo es uns besonders gut gefällt einen Zwischenstopp (was die Fahrtzeit noch einmal verlängert). Keine Angst, wir haben trotzdem genügend Zeit, an den Destinationen auch tatsächlich etwas zu unternehmen! Macht euch aber auf einen gewaltigen Schwall an Bildern und Geschichten gefasst!

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Dunedin – Wildtiere in Otago

Nach der Zeit in den Bergen, freuten wir uns wieder auf die Küste. Auch wenn es viel zu kalt ist, um nur schon den kleinen Zeh ins Wasser zu halten. Wir sitzen gerne am Strand und schauen auf die Wellen oder versuchen mit unserer Kamera den Ort so gut wie möglich für später festzuhalten.

Unser Hauptziel war die Halbinsel Otago. Dort wohnt der kleinste Pinguin der Welt. Da dieser tagsüber im Meer jagdt, verbrachten wir die Sonnenstunden beim einzigen Schloss in ganz Neuseeland, so steht es jedenfalls in deren Broschüre und schauten danach den Seebären beim Sonnenbaden zu.

Kurz vor der Dämmerung gingen wir dann zum Aussichtspunkt an der Spitze der Halbinsel. Abends watscheln die Tiere für einen Moment über den Strand, bevor sie sich im hohen Gras für die Nachtruhe verstecken. Wie sich herausstellte, musste man (enorm) Eintritt bezahlen, um näher heranzukommen. Irgendwie war es uns zu blöd. Dann schauten wir halt die Pinguine aus grosser Ferne an. Daher gibt es kein Foto von den Zwergpinguinen. Doch ebenfalls in Dunedin, aber an einem anderen Ort, fanden wir den Gelbaugenpinguin. Es war zwar genauso dunkel, aber er stand super nah. Deshalb können wir stolz von ihm ein Foto zeigen:

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Die Stadt ist ein Studentenort und in Neuseeland gibt es keine ganz alten Gebäude, da dass Land selber noch nicht so alt ist. Trotzdem lohnte sich der Besuch des Zentrums. Unter anderem besuchten wir die steilste Strasse der Welt. Sie ist sogar im Guinessbuch der Rekorde festgehalten.

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Doch das eigentliche Highlight des zweiten Tages, waren wieder die Neuseeländischen Seebären! Diese Tiere wurden von Robbenjäggern gejagt und im 18. Jahrhundert beinahe ausgerottet. Doch wenige Exemplare konnten abseit der neuseeländischen Küste auf kleinen Inseln zwischen hier und der Antartktis überleben. Heutzutage siedelt er sich wieder auf der Südinsel an und gilt nicht mehr als „vom Aussterben bedroht“. Trotzdem werden die Tiere weiterhin geschützt. Überall wird auch auf Schildern gebeten, einen mindeste Abstand von 10 Metern einzuhalten. Vielleicht auch als Sicherheitsmassnahme vor den grossen Zähnen. Aber leider haben wir ganz oft Menschen gesehen, denen das egal ist und somit die Tiere beim Entspannen stören.

Lake Tekapo – Schnee in den Bergen

Unser erster Ausflug führte zum Mount Cook Village. Wir stellten uns ein Bergdorf vor, wie wir es halt so kennen. Aber in Neuseeland ist das natürlich anders. Der nächste Supermarkt war zwei Stunden von dieser Ortschaft entfernt. Das war ein bisschen ungelegen für uns, denn wir hatten unseren Tagesrucksack inklusive Reiseproviant in der Unterkunft (ebenfalls 2 Stunden enfernt) vergessen. Doch es stellte sich heraus, dass es nur halb so schlimm war. Denn der Hooker Valley Track war gesperrt. So mussten wir uns nicht lange ärgern, dass wir ungenügend ausgerüstet waren. Stattdessen machten wir zwei kurze Spaziergänge zu zwei weniger entfernten Aussichtspunkten und genossen den Blick auf Schnee, ohne ihn zu berühren:

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Nach dieser grossen Anstrengung machten wir einen Relax-Tag beim See selber. Die Hot Water Pools eignen sich sehr dafür. Wir lagen praktisch den ganzen dadrin und träumten von unserer weiteren Reise.

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Christchurch – Wo waren wir bitte im Jahr 2011?

Hier wird es wohl fast ein bisschen peinlich. Denn vielleicht sind wir die einzigen, die Christchurch nicht mit dem grossen Erdbeben in Verbindung brachten. Wir hatten ja keine Ahnung! Das Erdbeben im Jahr 2011 zerstörte Kirchen, Familienhäuser und eigentlich das ganze Zentrum. Weshalb wussten wir nichts davon? Wo waren wir in diesem Jahr mit unseren Köpfen? Unser erster Halt in dieser Stadt war ein Aussichtspunkt auf einem Hügel. Wir staunten einfach, dass alle Häuser flach sind und hatten keine Ahnung, weshalb es kein einziges Hochhaus gab.

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Da wir in einem Airbnb wohnten, wurden wir von Einheimischen aufgeklärt. Es sei seither verboten ein Haus über fünf Stockwerke zu bauen. Es starben zu viele Menschen in Hochhäuser. Sie erzählten uns auch, dass viele Bewohner in die Vorstädte zogen, da der Boden härter und somit besser bebaubar ist. Die Stadt steckt auch nach acht Jahren immer noch mitten im Aufbau. Es wird aber noch ein ganzes Weilchen dauern, da es so viel Geld kostet. Auch die Strasse in den Norden der Insel wurde zerstört und war für ein, zwei Jahre geschlossen. Unglaublich, oder? Später auf der Reise fuhren wir genau eben diese Strasse nach (von Picton nach Kaikoura) und sahen, dass auch diese immer noch repariert wird. Am nächsten Tag schauten wir uns Christchurch selber an, mit dem historischem Trämli machten wir die Tour durch den Stadtkern und sahen, die immer noch vorhandene Zerstörung, aber auch der bereits erfolgreiche Wiederaufbau.

Greymouth – wie wir zweimal zu den Gletschern fuhren

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Auf dem Weg zu Greymouth fanden wir riesige Steine!

Lange haben wir uns überlegt, ob wir die touristen Magneten Franz Joseph und Fox Gletscher auslassen sollen. Ihr könnt auf der Karte sehen, dass sie so überhaupt nicht am Weg liegen. Aber Neuseeland ist so weit weg von Zuhause, wer weiss ob wir jemals wieder die Gelegenheit dazu haben? Deshalb entschieden wir uns für einen Kompromiss. Wir reisen nach Greymouth und übernachten zweimal. An unserem „reisefreien“ Tag machen wir ein vierstündiges Ausfährtchen zu den Gletschern. Der Wetterbericht sagte schon, dass es den ganzen Tag auf der ganzen Südinsel regnen wird. Es war uns egal. Im Auto werden wir ja nicht nass, aber dass Wolken unsere Sicht bedecken, haben wir nicht bedacht. So fuhren wir an diesem Tag die Strecke um sonst. Wir wussten nicht einmal in welche Richtung wir schauen müssten, um den Gletscher zu sehen. Als am nächsten Tag ein wolkenloser Himmer sich präsentierte, entschieden wir uns unsere Abfahrt um einen Tag zu verschieben. Stattdessen machten wir das vierstündige Ausfährtchen noch einmal:

Der Heliport in des kleinen Dörfchen Franz Joseph, ist der meist genutzte auf der Welt. Der Gletscher ist in den letzten Jahren so stark geschmolzen, dass er nicht mehr zu Fuss vom Tal aus erreichbar ist. Also werden wir die Touristen hochgeflogen. Wir entschieden uns dagegen und erkundeten die Umgebung auf einer Quadtour. Es war ebenso eine typische Touristenattraktion, aber es hat Spass gemacht durchs kalte Gletscherwasser zu düsen. Und wieder einmal wurden wir total vor den Kopf gestossen, denn direkt neben dem Gletscher ist… ein Regenwald! Passt das, Schnee und Regenwald beieinander?

Der Guide erzählte uns, dass während seiner Kindheit der Gletscher um einen Meter pro Tag gewachsen sei. Da es in diesem Gebiet so oft regnet und der Regen in den Bergen halt noch zu Schnee wurde. Wer am Fusse des Gletschers seine Schuhe deponierte, um diese gegen Schneeschuhe auszutauschten, fand sie bei der Rückkehr bestimmt nicht mehr am gleichen Ort vor. Denn der Gletscher hatte sie ein bisschen weiter ins Tal transportiert. Mittlerweile schrumpft der Gletscher 2cm in der gleichen Zeit.

Als ob wir noch nicht genug Zeit mit motorisierten Untersätzen verbracht hätten, fuhren wir noch ins nächste Dorf. Wir hatten ein super Timing und konnten den Sonnenuntergang vom Mathesen See beobachten. Der Fox-Gletscher wurde dadurch in ein wunderbar rötliches Licht getaucht.

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Abel Tasman – Goldene Buchten

Zwischen Greymouth und Picton liegen die Pancake Rocks. Die Steine lassen die Geologen bis heute rätseln, weshalb sie verschiedene Schichten haben. Wir fanden es, eine tolle Fotokulisse.

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Auch nach dem wir in der neuen Unterkunft angekommen sind, brausten wir für vier Stunden durch die Gegend, um alles ganz genau anzusehen. Unterwegs hielten wir an den Te Waikoropupu Springs an. Sie gehören zu den drittklarsten Gewässer auf der ganzen Welt. Das liegt daran, dass pro Sekunde bis zu 14.000 Liter Wasser ausgestossen wird. Da hat es keine Zeit dreckig zu werden. 😛 Der Ort ist für die Maori heilig und deshalb ist es seit 2007 verboten, das Wasser zu berühren. Schade, denn es gab Fotos von Tauchern und obwohl es wahrscheinlich sau kalt gewesen wäre, wäre das Feeling durchs Unsichtbare zu schweben eine tolle Erfahrung gewesen! Aber wir waren vorbildich und haben nur mit den Augen geschaut.

Darauf ging die Fahrt weiter bis zum Wharariki Beach. Eigentlich ist es nur ein kurzer Walk vom Parkplatz zum Beach. Es windete aber so heftig und die Wolken düsten nur so über unsere Köpfen. Manchmal regnete es und dann schien wieder die Sonne. Die Regenjacke hatten wir im Auto gelassen. Auf halber Strecke dachten wir, dass wir sie vielleicht doch besser mitnehmen sollten und machten kehrt. Mit der Regenjacke montiert kämpften wir uns noch einmal durch den Wind und kamen zu einem wunderschönen einsamen Strand. Die Sandkörner düsten nur so an uns vorbei und hinterliessen ein wunderschönes Windspiel. Wir versuchten best möglichst den Ort mit unserer Kamera festzuhalten. Erst in der Unterkunft merkten wir, dass das vielleicht nicht die beste Idee war. Daniel musste die Sandkörnchen sorgfältig aus dem Gehäuse putzen.

Am nächsten Tag gingen wir zum eigentlichen Highlight dieses Gebiets. Ein Wassertaxi brachte uns in den Abel Tasman Park und holte uns fünf Stunden später zwei, drei Buchten weiter vorne wieder ab. Grüne Wälder, goldene Buchten und eine Hängebrücke warteten auf uns. Zwischendruch war immer wieder Thema, ob wir nicht zu oft für Fotos anhielten und so unser Boot verpassen würden. Aber Daniel hat wie immer einen kühlen Kopf bewahrt und Recht behalten. Wir waren super pünktlich und konnten auch die letzte Bucht noch voll und ganz geniessen.

Picton – Ein weiteres Mal Whale Watching

Auch von Picton aus starteten wir einen längeren Tagesausflug und fuhren bis nach Kaikoura. Das ist Maori und heisst „Federn essen“. Ihr merkt, das macht wenig Sinn. Denn eigentlich sollte man den Ort „KaikouDa“ aussprechen. Dies wiederum heisst „Fisch essen“ und ist viel logischer. Aber nicht alle Kiwis wissen das.
Der Ort ist ein wunderschönes Dörfchen direkt am Meer, mit Blick auf verschneite Berge. Wir waren wieder einmal total begeistert von dieser Landschaft! Berge und Meer vereint!

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Vor dem Festland gibt es einen riesigen Unterwassercanyon. Dieser lockt viele Meeresbewohner an, welche wieder viele Touristen anlocken. 😉 Wir waren hin- und hergerissen, welche Tour wir buchen sollen. Es gab Touranbieter für Albatrosse, Delfine oder Wale. Bei einer Waltour waren wir ja schon in Hawaii dabei. Delfine aus dem Boot haben wir auch schon oft gesehen, aber zum Baden mit den quirrligen Tieren war es zu kalt. Wir fragten uns echt, weshalb die Anbieter nur die Tour zu einem bestimmten Tier anbieten und man nicht einfach alle gleichzeitig sehen kann. Schlussendlich entschieden wir uns, doch noch einmal eine Waltour zu machen. Immerhin handelt es sich um eine andere Gattung. In Kaikoura trifft man am häufigsten den Pottwal. Zwei Fakten über dieses Wesen haben uns am meisten überrascht:
1. Das klickende Echo-Geräusch dieser Tiere ist so mächtig, dass ihre Beute davon paralysiert wird. So können sie simpel einen Weissen Hai zum Mittagessen verspeisen!
2. Wie jedes Säugetier sind sie auf Luft und Süsswasser angewiesen. Luft macht ja noch durchaus Sinn. Aber woher soll ein Tier im salzigen Meer etwas Trinkbares finden? Weisst du was, wir lassen es noch ein bisschen spannend.

Wir haben uns also definitiv für die richtige Tour entschieden. Wir fanden den Pottwal mit dem Namen „Matimati“, der nach seinem circa 45 minütigen Tauchgang an der Wasseroberfläche ausruhte. Schon vor der Sichtung konnten wir mit Bestimmtheit sagen, dass wir ein Männchen finden werden. Denn es gibt keine Weibchen in dieser Region. Sie leben in wärmeren Gebieten, da sie eine kleinere Fettschicht als die Männchen haben. Nach etwa einer zehnminütigen Oberflächenpause sank er zurück in die Tiefe, wo er erneut Riesen Kalmare jagen wird. Diese sind nämlich seine wichtige Wasserzufuhr, da sie grösstenteils daraus bestehen. Zusätzlich schwamm nicht nur ein, sondern gleich vier Albatrosse beim Wal im Wasser. Und auf dem Weg zurück in den Hafen, schwammen und sprangen doch tatsächlich noch Schwarzdelfine neben unserem Boot her.

Aber das waren noch nicht all unsere Tierbegegnungen. Unser Mittagessen nahmen wir am Strand zu uns und konnten dabei eine weitere Seebärenkolonie beobachten. Dieser Tag war wirklich abgefahren! 😛

Weitere Reise

Diesen Bericht tippe ich bereits auf der Nordinsel. Mit der Fähre tuckerten wir über die Cook Strasse zwischen den beiden Inseln. Wir werden einige Zeit in Wellington verbringen, da wir auf unser Visa von der Indonesischen Botschaft warten. Ein guter Moment um unsere weitere Reise zu Planen und das wiederkehrende Bauchweh auszukurieren. Danach machen wir uns auf, mehr von Mittelerde… äh nein NEUSEELAND, zu sehen!

Wir sind dankbar für all die unfallfreien Fahrten, die grossartigen Begegnungen mit Mensch und Tier und viele sonnige Stunden in der Herbstzeit.

Wir bitten um Klarheit, wo wir hinsollen, starke Nerven und gesunde Mägen.

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4 Replies to “Herbstfahrten auf der Südinsel”

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