Für Daniel war klar, seine Schweizer-Reise führt durch den Jura. Er hat wunderbare Erinnerungen an Familienferien in diesem Kanton. Er erinnert sich an den Namen des Campingplatzes (Les Cerneux) und an sein Pony Mimir, mit dem er unerlaubterweise an der Gruppe vorbeigaloppiert ist.

Aber was macht man im Jura, wenn man keine Kinder hat? Ponyreiten scheidet da irgendwie aus. Ich hätte lieber einen Bogen, um diesen Kanton gemacht. Es scheint, kein Touristenmagenet zu sein. Ein eindeutiges Zeichen, dass es überhaupt nichts zu sehen gibt. Auf dem Camping waren auch wirklich nur Schweizer und wir waren echte Exoten, so ganz ohne Kinder. Doch Daniel behielt Recht. Es ist ein herrliches Fleckchen Natur. Das Beste darin ist, es kann alles per Auto erreicht werden!

Wir hatten nur kurz Zeit, den Traumcampingsplatz von Daniel zu geniessen. Wir kamen am späteren Abend an und am Morgen ging es gleich weiter. Der erste Zwischenhalt war nur wenige Autominuten entfernt. Ein Moor wie man es fast aus Hollywood kennt, nur dass man darin nicht stecken bleibt, immer mehr versinkt und einen qualvollen Tod erlebt. Das Wasser vom Etang de la Gruère war beinahe schwarz und Füsse verfärben sich braun beim Baden. Trotzdem gab es paar Waghalsige, die ganz darin schwammen. Das trauten wir uns nicht, doch wir knipsten unsere Finger wund mit unserer Kamera. Bis heute bereuen wir, dass wir unsere Dronie (der Name unserer Mavicair) im Auto liessen.

Bald musste ich dringend aufs Klo, aber es hatte zu viele Leute und keinen geeigneten Busch. Schnell stiegen wir ins Auto und fuhren ins mittelalterstätchen Saint-Ursanne. Wir suchten uns ein Restaurant aus, aber weil wir während der  Mittagszeig niemals hungrig sind, bestellten wir einfach je ein Eis. Solange hatten wir noch nie auf unser Glacebecher gewartet. Die hatten anscheinend viel mit den richtigen Gästen zu tun. Es war trotzdem lecker und ich war dankbar ums WC. 🙂 Danach konnten wir mit leerer Blase noch ein bisschen das Städtchen anschauen.

saint_ursanne

Zurück im VW-Bus fuhren wir praktisch die ganze Strecke zurück zum Campingplatz. Das jetztige Ziel war der Chasseral. Mit ein paar Umwegen schafften wir auch diesen Berg. Ganz fasziniert waren wir von der Tatsache, dass wir bis nach ganz oben fahren durften und dabei einem Postauto ausweichen musste. Oben angekommen, hatten wir einen atemberaubenden Blick auf Felder und Seen. Doch sehe selbst:

Wir genossen einen leckeren Zvieri, wobei ich lernte das Vitello Tonnato wunderbar schmeckt! Wir googelten nach einem geeigneten Schlafplatz am Neuenburgersee und reservierten direkt für den Abend. Das die Person am anderen Ende direkt auf Schweizerdeutsch antwortete, fand ich überhaupt nicht merkwürdig. Runter fuhren wir auf der anderen Seite des Hügels und begegnetem zum Glück keinem Postauto mehr.

Angekommen auf dem Camping, merken wir schnell, dass irgendetwas komisch ist. Wie am Telefon besprochen, gingen wir für die Anmeldung zum Restaurant. Die waren ebenso verwirrt und wiesen uns zur Rezeption. Da merkten wir den Fehler. Ich hatte die falsche Nummer gewählt und noch einmal in Les Cerneux angerufen. Schnell verabschiedeten wir uns von diesem grossen und lauten Camping und suchten weiter, meldeten uns in Les Cerneux dann auch noch ab. Spontan fanden ein schönes Plätzchen mit Strandzugang zum See mit einem sehr freundlichen Besitzer. Es gab Jazz-Musik und heisse Temperaturen. Wir fühlten uns wie irgendwo weit im Süden. Und perfekt machte diesen Abend, die Sichtung eines Biebers! Sogar die Frau neben uns war ganz aufgeregt. Anscheinend bekommt man die nicht oft zu Gesicht! Herrlich!

panorama_chasseral

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